[Schan-user] RAID und Datensicherheit

Maximilian S. maxs at mac-o-net.de
Mit Mai 17 20:22:48 CEST 2006


Der Thread wurde ja schon wieder total OT, daher hier ein neuer zum  
Thema RAID.

Also ich glaube was hier verwechselt wird ist:
	* Software RAID
	* Hardware RAID mit Steckkarte
	* Hardware RAID in externem Gehäuse
	* Datensicherung an Schulen
	* Backup mit Versionierung

Unter Datensicherheit wollen wir jetzt mal "Verfügbarkeit" verstehen.  
Es soll einfach nicht passieren, dass Daten im Netzwerk nicht mehr  
verfügbar sind. Das wichtigste was in diesem Fall zu beachten ist,  
ist der langweilige, aber ewig gültige Spruch:

	"Eine Kette ist nur so stark wie das schwächste Glied".

Es gilt also zu hinterfragen, was genau erreicht werden soll. Will  
ich eine hohe Ausfallsicherheit erreichen, so muss ich im Idealfall  
alls doppelt und dreifach auslegen.
Will ich lediglich die Verfügbarkeit erhöhen, kann ich den Punkt, der  
für die meisten Ausfälle sorgt, verbessern. Im Falle von  
Datenkapazität fallen am häufigsten eben Festplatten aus.

Will ich hingegen einen Datenbestand sichern, das kommt einer  
Archivierung eines Zustands gleich, brauch ich immer ein Backup.  
Backup heisst nicht umsonst: SicherungsKOPIE. In der Regel fertigt  
man ein Backup an, um den Betrieb zu sichern, dann ist diese Backup  
gleichzusetzen mit dem Wunsch die Verfügbarkeit zu erhöhen. Wichtig  
und richtig sind aber auch Backups, die dazu dienen einen Bestand an  
Daten zu archivieren. Man will auch einmal bspw. nur einen Version  
zurückgehen und einen Projektstand der letzten Woche zurückholen.

Was hilft also ein RAID?

Meiner Meinung nach beseitigt es den Mangel #1: Verfügbarkeit.

Wie sollte ein solches RAID aussehen?

Meiner Meinung nach NICHT mit einer Steckkarte und selbstgebastelten  
Einschublösungen, sondern ein richtiges Stück Hardware. Diese  
Hardwarelösungen haben in der Regel eine passive Backplane (also die  
Verbindung über die alle Festplatten mit dem/n RAID Controller/n  
verbunden sind.

Als nächstes, und das ist auch sehr wichtig, sollte man GLEICHE  
Festplatten verwenden. D.h. Festplatten werden nicht zwischen  
Herstellern und Typ gemischt. Gute RAID Controller nutzen nämlich die  
Festplattenfirmware aus und betreiben diese im besten Betriebsrahmen.  
Mischt man Platten, gibt es keinen Betriebsrahmen mehr. Auch sollte  
man Festplatten für den Serverbetrieb wählen. Platten vom PC- 
Schrauber (Entschuldigung: dem High-Tech Schul-Support Partner) sind  
in der Regel die günstigen Desktop-Platten: Schrott!

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Nirgends wichtiger als bei  
der Pflege von  Daten. Wer hier wenig Geld ausgibt, bekommt in der  
Regel auch wenig Qualität. Man sollte ein RAID eines  
Markenherstellers nehmen (evtl. auch ein bisschen nach  
Erfahrungsberichten suchen) und nachfragen, ob der Hersteller eigene  
Platten liefert und diese auch vor dem Betrieb/Auslieferung einem  
Burn-in Test unterzieht. (Hier zum Vergleich: das heisst nicht  
"Einschalten und Laufen lassen", sondern RAID Hersteller überprüfen  
in dieser Zeit die Fehlerraten der Laufwerke (die es im übrigen IMMER  
gibt) und sondern die schlechten Platten aus.)

So, nachdem das Thema Festplatten hier mal abgehakt sein soll, nun  
noch ein letztes Wort zum Rest der RAID Hardware:

Controller, Gehäuse, Netzteil, Lüfter. Alles kann ausfallen und fällt  
auch aus. Es gibt Systeme die auch das alles redundant auslegen und  
so die Verfügbarkeit abermals erhöhen. Aber es gibt auch noch das  
System, an dem das RAID angeschlossen ist: das kann auch ausfallen  
und ist praktisch nie an einer Schule doppelt ausgelegt, warum also  
beim RAID anfangen zu investieren? In ein paar Jahren, wenn die  
Schulserver doppelt ausgelegt werden könnten, ist das RAID auch  
überholt. ....

Welchen Effekt kann es haben, wenn ein RAID Controller ausfällt? Nun,  
das RAID ist nicht verfügbar. Das Schlimmste was passieren kann, ist  
dass ein defekter RAID Controller noch kurz vor seinem Tod ungültige  
Daten auf die Platten schreibt, dann war's das: HIER HILFT NUR NOCH  
DAS BACKUP! (wir erinnern uns?) Praktisch kommt das aber extrem  
selten vor ... wirklich ...

Dass das RAID-Set an sich, also der Plattenverbund nicht mehr nutzbar  
ist, ist durch einen Controllerausfall sonst NICHT möglich, denn die  
gesamte RAID Konfiguration liegt selbst auf den Festplatten ab. Ein  
Austausch des Controllers reicht und das RAID funktioniert wieder.

Was ist also zu empfehlen?

Kann man sich ein RAID leisten: immer auch eines kaufen. Allerdings  
kein selbstgeschraubtes vom Händler, sondern ein unterstütztes eines  
bekannten Herstellers. Falls möglich auch immer ein Ersatzteilkit  
gleich mitbestellen (also Ersatzplatte, Ersatzkontroller, Lüfter,  
Netzteil), das hilft im Fall der Fälle immer schneller als der  
Support vor Ort.

Es macht in meinen Augen überhaupt keinen Sinn mehr heutzutage auf  
RAID zu verzichten. Die Hardwaremehrkosten übersteigen niemals die  
Supportkosten die man ohne RAID sonst mit Backuplösungen  
(ausschliesslich zum Zweck der Verfügbarkeit!) extra fahren muss. Und  
nochmal: ein Backup zur Erhöhung der Verfügbarkeit hat nichts mit  
einem Backup zur Datensicherung zu tun ...

viele Grüße, Maximilian.


>>> Wer RAID beschafft, sollte recht pingelig definieren, welchen
>>> Nutzen er sich von RAID erhofft. Mit Abstand am beliebtesten ist
>>> "Datensicherung". Und da ist nun mal RAID so gut wie untauglich.
>>>
>
>
>> da immer wieder so beharrlich daran erinnerst, frage ich nun
>> endlich mal - aber nur aus persönlichem Interesse.
>> Ich habe immer gedacht, dass was an Rechnern immer wieder kaputt
>> geht, sind die Festplatten und nicht irgendwelche
>> (RAID-Controller-) Karten. Gehen die denn doch so oft kaputt, dass
>> du sagst es ist keine Datensicherung?
>>
>
> Kontroller: die gehen ab und zu auch kaputt. On-Board-Kontroller
> verdunsten zusammen mit dem Rechner, in dem sie eingebaut sind, wenn
> dieser Rechner ausgemustert wird.
>
> Aber "RAID ist keine Datensicherung" bezieht sich auf das Verfahren,
> nicht auf einzelne Komponenten.
>
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